Die Serengeti ruft
Interview mit Uwe Skrzypczak
Geführt von Vera Schott am 23.10.2009

 

Media-Mania.de: Hallo Herr Skrzypczak,
vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Im Sommer ist Ihr Buch „Wildlife-Fotografie" im Dpunkt Verlag erschienen. Wie kamen Sie auf die Idee für dieses Buch?

 

Uwe Skrzypczak: Für die Teilnehmer eines geplanten Fotografenworkshops in der Massai-Mara hatte ich ein 48-seitiges Workbook mit den wesentlichen technischen Anleitungen, wie sie im Fachteil des späteren Buchs vorkommen, erstellt. Als ein Fotografenfreund das Workbook gelesen hat, sagte er:

Uwe, daraus musst du ein Fachbuch machen, so präzise hat noch keiner die technischen Vorraussetzungen der digitalen Wildlife-Fotografie beschrieben.
Aufgrund meiner jahrelangen, fotografischen Erfahrung in Ostafrika war für mich sofort klar, das riesige Serengeti-Ökosystem ist das richtige Vehikel, um die ganze erforderliche Fototechnik leicht, locker und verständlich zu transportieren. Die Artenvielfalt der Serengeti lässt eine weitestgehende Adaption der vermittelten fotografischen Vorgehensweise auf andere Tierarten rund um den Erdball zu. Mit Gerhard Rossbach vom dpunkt Verlag habe ich dann einen »echten, unternehmerischen Verleger« gefunden, der mir zu meinem größten Erstaunen bereits 14 Tage nach Manuskripteinreichung das »go« erteilt hat.

 

Media-Mania.de: Gerade die Serengeti scheint es Ihnen sehr angetan zu haben. So wird auch Ihr neues, im Sauerländer Verlag erscheinendes Kinderbuch »Simba, Duma, Tembo, so leben Tierfamilien in Afrika« darüber berichten. Warum wieder ein Afrikabuch und worum geht es darin?

 

Uwe Skrzypczak: Ich schreibe meine Bücher erstrangig, um dazu beizutragen, dass uns allen die Serengeti noch lange erhalten bleibt, also um die Leser für Ostafrika zu begeistern. Oder glauben Sie im Ernst, dass die über 10 Jahre vor Ort in Afrika aufgewendeten Aufnahmekosten durch ein Fachbuch und zwei Kinderbücher wieder eingespielt werden?
Das neue Kinderbuch erzählt reich bebildert vom Aufwachsen und Leben der wichtigsten Wildtiere Afrikas, um die Kinder dafür soweit zu begeistern, dass vielleicht einige von ihnen als Erwachsene zum zukünftigen Erhalt der Serengeti beitragen werden.

 

Media-Mania.de: Was fasziniert Sie so an diesen Tieren? Wieso fotografieren Sie lieber Raubkatzen als Pinguine?

Uwe Skrzypczak: Natürlich mag ich auch Pinguine und viele andere Tiere. Diese Tiere sind aber nicht akut vom Aussterben bedroht. Der Eisbär ist trotzdem sogar weltweit zum Indikator des Klimawandels geworden. Medien und Verlage haben dieses Thema so weit aufgebauscht, dass viele Menschen denken, er stirbt übermorgen aus. Die Panikmache um Pinguine und Eisbären kann ich nicht mehr hören. Der Eisbär hat bereits eine viel stärkere Klimaerwärmung im Mittelalter überlebt, als Grönland noch grün war und die Wikinger dort Ackerbau betrieben haben.
Und Afrika? Es ist darüber wieder einmal völlig vergessen worden.
Über die Arktis können sie den Verlagen auch den Zweihundertdreiund-vierzigsten Bildband verkaufen, während Afrikathemen nur müde belächelt werden. Dabei gibt es auch nicht mehr Löwen wie Eisbären auf der Welt, vermutlich sogar weniger. Der Lebensraum der Löwen befindet sich zum Teil in den ärmsten Regionen dieser Welt, während die Eisbären am nördlichen Rand der sogenannten, reichen westlichen Welt mit ihren großen Ressourcen zum möglichen Schutz dieser Tierart leben. In Kenia gibt es nur noch 2000 frei lebende Löwen, jährlich um etwa 100 abnehmend, das heißt, der Löwe ist dort in 15 bis 20 Jahren ausgestorben, wenn wir nichts für seinen Erhalt tun.
Wenn zukünftig die Pinguine und Eisbären so akut vom Aussterben bedroht sind, werde ich auch darüber schreiben.

                                                                                        »»» mehr «««

 

Die Serengeti ruft
Interview mit Media Mania.de am 23.10.09
Interview Media Mania -Uwe Skrzypczak 23[...].pdf
Adobe Acrobat Dokument [53.4 KB]
Buchreport Magazin 09 / 2009Buchreport Magazin 09 / 2009

»» Autoren müssen selbst alle PR-Register ziehen ««

 

Sie setzen auf Eigeninitiative. Warum?

Der Buchmarkt wird heute von den gleichen Gesetzen bestimmt wie andere Gebrauchs-, Konsum- oder Luxusgütermärkte, die alle mit einer hohen Marktsättigung zu kämpfen haben. Ein Spezifikum des Buchmarktes ist, dass die Verlage unter einem abnormen und praktisch längst irrationalen Erscheinungsdruck stehen, um Marktanteile zu halten. Deshalb kann ein Verlag einen einzelnen Autor, wenn der nicht gerade ein Bestsellerautor ist, gar nicht in dem Maße fördern, wie es wünschenswert wäre.

Ich bin da Realist, habe Marketinghintergrund und mich von Beginn an mit den Marktgegebenheiten des Buchmarktes vertraut gemacht.

Ein Verlag kann sich auf Grund der Vielzahl der Titel erst dann nennenswerte PR- und Marketingaktivitäten erlauben, wenn ein Buch absehbar in hohen Stückzahlen vermarktet werden kann. Ein Gießkannenprinzip mit ein bisschen Unterstützung für alle Titel ist unrealistisch. Als Autor muss man deshalb selbst alle PR-Register ziehen.

 

Werden die Verlage ihrer Aufgabe aus Sicht des Autors nicht gerecht?

Es ist eher eine Systemfrage. Die Schlacht um die Platzierungen im Buchhandel geht oft so weit, dass Bücher, die sich vielleicht gerade im Markt etablieren könnten, schon wieder durch aktuellere Neuerscheinungen ersetzt werden. Dieser Neuerscheinungsdruck hat dazu geführt, dass Verlage bei den Lesern ihre frühere Kompetenz und Marktbekanntheit -- also ihr USP -- verloren haben. Eine über Jahrzehnte beim Leser aufgebaute Kernkompetenz oder sogar Marke ist dabei einem verwaschenen „wir auch" gewichen. Ursache dafür ist wie in vielen anderen Branchen auch ein eher reaktionäres Marketing, dass sich auf die Wettbewerbsbeobachtung und ein Gleichziehen mit dem Wettbewerb stützt. Auch die Vielzahl der Segmente im Buchmarkt, die ein großer Verlag heute zum eigenen Markterfolg abdecken muss, führen letztlich dazu, dass keines dieser Segmente wirklich kompetent vermarktet werden kann. Spezialverlage, die diese Vermarktungslücke erkannt haben und die Initiative ergreifen, haben deshalb gute Chancen.

 

Welche Rolle spielt in diese Entwicklung der Buchhandel?

Der Buchhandel, oft in den 1a-Lagen der Städte angesiedelt, braucht natürlich von den Verlagen ein schnell drehendes Top- und Bestsellersortiment zur Absicherung seiner eigenen Rentabilität. Diese Entwicklung führt aber schleichend zu einem immer schmaleren Sortiment. Die Zahl der vorrätigen Bücher bleibt vielleicht gleich, aber die Breite des Sortiments hinsichtlich der Themen und Genres nimmt ab .........................

 

Das gesamte Interview als kostenlose PDF

 

Buchreport

                                                                                       

Interview Buchreport - Buchreport Magazin 09 / 2009
Artikel_Buchreport.pdf
Adobe Acrobat Dokument [787.2 KB]