Das Serengeti-Mara-Ökosystem zählt zu den größten und berühmtesten Wildschutzgebieten unserer Erde, nur leider ist es ein Flickenteppich von Naturreservaten ohne gemeinsame Verwaltung und Naturschutzmaßnahmen. Nur die besonders geschützten Gebiete im Ökosystem, der Serengeti-Nationalpark und der Ngorongoro-Krater, werden von der Unesco als Weltnaturerbe geführt.

 

Die Artenvielfalt, die Masse der Tiere und die weltberühmte Huftiermigration machen das Ökosystem zu einem der wenigen noch intakten Naturreservate, in dem man den Kreislauf des Lebens in einer weitgehend ursprünglichen Form erleben kann. Die Serengeti zeigt uns einen Lebensraum, der schon vor mehr als einer Million Jahren so ausgesehen hat, sie gestattet uns einen Blick zurück in die Zeit des menschlichen Ursprungs.

 

Das Kernland des Serengeti-Mara-Ökosystems sind die riesigen Kurzgrassavannen im Südosten, die »Sirinket«, das weite Land der Massai – die Serengeti. Obwohl Namensgeber, liegt die östliche Hälfte dieses Gebiets heute außerhalb des Serengeti-Nationalparks in der Ngorongoro Conservation Area. An die Kurzgrassavannen schließen sich nach Westen und Norden von Buschland und offenen, niedrigen Wäldern durchzogene Savannen an. Im »Western Korridor«, der fast an den Viktoriasee grenzt, gibt es auch einige dichtere Wälder entlang des Grumeti-Flusses. Ganz im Norden des Ökosystems, am Mara-Fluss, öffnen sich die Busch- und Waldgebiete wieder zu Gras- und lockeren Baumsavannen. Vom Nordufer des Flusses in der Serengeti bis in die Massai Mara in Kenia prägen sie, von Wasserläufen durchzogen, den Nordzipfel des Serengeti-Mara-Ökosystems.

 

Als einziger ganzjährig Wasser führender Fluss ist der Mara das wichtigste Wasserreservoir im Ökosystem. Von ihm hängt vor allem das Überleben der größten Huftierpopulation in der Serengeti, der Gnus, ab. Sommer für Sommer wandern die Gnus, aber auch andere Antilopen, Gazellen und Zebras aus der Serengeti nach Norden in die wasserreiche Massai Mara in Kenia. Sie ist das wichtigste Nahrungsreservoir der Tiere während der dreimonatigen Trockenzeit in Tansania. Durch diese als »Große Migration« bekannte Wanderung erschließen sich die Tiere im Laufe eines Jahres alle durch saisonale Regenfälle auftretenden Nahrungsquellen ihres Lebensraums. Die »Große Migration« ist eine Überlebensstrategie, sie sichert die Ernährung der riesigen Huftierpopulationen in der Savanne. Unterbricht man die Routen der Tiere zu ihren Nahrungsquellen durch stark frequentierte Verkehrswege, Kulturlandnahme oder anderweitige wirtschaftliche Nutzung, so können sie nicht überleben und das Ökosystem würde kollabieren.

 

Die Fläche des Serengeti-Mara-Ökosystems entspricht annähernd dem Staatsgebiet der Schweiz. Den Menschen bleibt dieser riesige Naturraum für die wirtschaftliche wie für die verkehrstechnische Nutzung versperrt - und das in einer Region Afrikas, deren Bevölkerung sich allein in den letzten fünfzig Jahren versiebenfacht hat. Da Tansania und Kenia weitere großflächige Areale als Schutzgebiete ausgewiesen haben, reichen die verbleibenden landwirtschaftlich nutzbaren Anbauflächen der beiden Länder heute kaum noch zur Ernährung ihrer Bewohner aus. Der Bevölkerungsdruck Ostafrikas gefährdet den Fortbestand der Serengeti und anderer Naturschutzräume heute weit mehr als alle Wilderei und alle Dürreperioden der letzten hundert Jahre. Die berechtigten Wünsche der Menschen vor Ort nach einem auskömmlichen Leben können nur durch eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung mit Hilfe des Westens, die nicht mehr auf Ausbeutung, sondern auf Zukunftsfähigkeit setzt, erfüllt werden. Gelingt dies nicht, werden sich so große Naturschutzgebiete wie die Serengeti nicht mehr lange gegen das Vordringen von immer mehr Menschen schützen und somit unversehrt erhalten lassen.

 

Die Serengeti ist nicht nur das Tier- und Naturparadies unserer Träume, sie nimmt auch einen sehr wichtigen Platz in der Entwicklungsgeschichte des Menschen ein. Ihr Süden wird von der als »Wiege der Menschheit« bekannten Olduvai-Schlucht durchzogen. Frühmenschliche Knochenfunde lassen darauf schließen, dass dieses Gebiet eine große Bedeutung für unsere Evolution hatte. Vielleicht liegt darin auch der Grund verborgen, warum die Serengeti so viele Menschen völlig in ihren Bann zieht. Einige Psychologen vermuten sogar, dass die Bilder der offenen, fast baumlosen Savannen noch immer ganz tief in unserem Unterbewusstsein verborgen sind.

 

Genau hier, ganz in der Nähe der Olduvai-Schlucht, beginnt noch heute zu jedem Jahreswechsel mit dem Einsetzen der kleinen Regenzeit ein neuer Lebenszyklus im Serengeti-Mara-Ökosystem. Es ist ein Spektakel, das wie eine gigantische Wiedergeburt wirkt. Die sonst trockene, von der Äquatorsonne völlig ausgedörrte Kurzgrassavanne der Serengeti ergrünt und erblüht für wenige Wochen zu neuem Leben. Weit mehr als eine Million Gnus, Zebras und Gazellen ziehen im Frühjahr hierher, um Hunderttausende von Kälbern zu gebären. Es ist eine Zeit des Überflusses auf den Savannen der Serengeti. Es sind seit Urzeiten die Felder des Lebens auf unserem Planeten: An kaum einem anderen Ort der Erde kann man die überwältigende Lebenskraft der Natur noch so hautnah und eindrucksvoll erleben.

The Serengeti-Mara-ecosystem counts among the largest and most well known protected wildlife territories on earth, but it is a patchwork of nature reserves without shared administration or environmental protection standards. Only the officially protected segments of the ecosystem, the Serengeti National Park and the Ngorongoro crater are recognized as world natural heritage sites by Unesco.

 

The extreme diversity of species, the high density of animal populations and the world-famous ungulate migration make the ecosystem to one of only a few remaining and intact nature conservations that are host to a largely original rendering of a natural life cycle. The Serengeti shows us a habitat that existed over a million years ago in this form, and allows for a glance back in time and into the origins of humanity.

 

The mainland of the Serengeti comprises the expansive short grass savannas in the southeastern corner of the Serengeti-Mara ecosystem, it is the »Sirinket«, the far reaching land of the Massai – the Serengeti, but its eastern half lie outside of the Serengeti National Park in the Ngorongoro Conservation Area.
To the west and north from the Serengeti mainland, bush land and the open, low forests that infuse the savanna adjoin. A few denser forests can be found along the Grumeti River in the »Western Corridor« that almost borders on Lake Victoria. In the north of the ecosystem by the Mara River, the bush and forest zones bleed into grass and more loosely knit tree savannas once more. From the north shore of the river in the Serengeti to the Massai Mara in Kenya, lanced by water streams, they lend the northern tip of the Serengeti-Mara ecosystem its character.

 

The river in the Mara is the only stream that lasts throughout the year and the most important water reservoir of the ecosystem. Especially the survival of the largest hoof animal population in the Serengeti, the gnus, depends on it. Summer after summer, the gnus, as well as other antelopes, gazelles and zebras wander out of the Serengeti north to the wet Massai Mara in Kenya. It is the animals’ pivotal food reservoir during the three-months dry period in Tanzania. Through this so called »Great Migration«, the animals tap into all nutrition resources that occur as a result of the seasonal rains inside their habitat over the course of a year. The »Great Migration« is a survival strategy and secures food for the large hoof animal populations in the savanna. To interrupt the animals’ routes to their food through heavily frequented traffic ways, cultural land seizure or other economic facilitation means to thwart their survival method and would entail the collapse of the ecosystem.

 

The surface size of the Serengeti-Mara ecosystem is almost equivalent to the national territory of Switzerland. This space is reserved for nature and is barred from human interference and economic or infrastructural exploitation; it is a region of Africa whose population has increased sevenfold over the past half-century. Since Tanzania and Kenya have designated additional wide sectors as protected, the two countries’ agrarian land viable for cultivation barely suffices to feed their inhabitants.

 

The pressure of population growth in East Africa poses a threat to the Serengeti’s sustenance and other conservation areas far more dramatically than all poaching and droughts of the last hundred years combined. The local peoples’ justified claim to an adequate life can only be met by sustainable economic development with the help of wealthy, western nations no longer motivated by exploitation but future-oriented growth in the region. Should this endeavor fail, great nature reserves like the Serengeti won’t be able to stay unharmed and defend themselves against the advance of consistently growing numbers of people in their habitat.

 

The Serengeti is not only the animal and nature paradise of our dreams but fulfills an extremely important role in the effort to reconstruct the development history of human beings. The southern territory includes the Olduvai Gorge known as »The Cradle of Mankind«. Early humanoid bone fragments indicate that the region was of great significance to our evolution. It might hold the key to the secret of why the Serengeti has fascinated so many. Some psychologists even suspect that the images of the open, almost treeless savannas are still stored somewhere deep down in our subconscious.

 

It is here, not far from the Olduvai Gorge, that a new cycle of life begins in the Serengeti-Mara ecosystem at the start of each year with the onset of the small rain period. It is a true spectacle that feels like a gigantic rebirth. For a few weeks, the otherwise arid, by the equator sun entirely desiccated short grass savanna of the Serengeti turns green and blossoms to new life. Well over one million gnus, zebras and gazelles migrate here in spring to give birth to hundreds of thousands of calves. It is a time of abundance on the savanna plains of the Serengeti.

 

From time immemorial, these have been the fields of all living things on our planet. Hardly any other place on earth allows us to experience the power of nature’s life-giving as closely and with such intensity.


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Kommentare: 1
  • #1

    Maria (Freitag, 03 August 2012 01:23)

    ME PARECIÓ SUMAMENTE INTERESANTE LA INFORMACION. María