Das Weltnaturerbe Serengeti ist akut in seiner Existenz bedroht.

 

Der mögliche Kollaps des Ökosystems könnte schlimmere Folgen haben, wie die Rinderpest-epidemie vor rund 120 Jahren. Durch menschliches Nutzvieh eingeschleppt gingen damals in Folge dieser Seuche über 90% der Wildtier-bestände ein. Die Tierpopulationen konnten sich auch nur über einen Zeitraum von rund 70 Jahren erholen, weil die Serengeti nach Eindämmung der Seuche sich selbst überlassen wurde und keinerlei menschlicher Nutzung unterlag.

Die aktuelle Bedrohung der Serengeti wird nicht durch Seuchen, sondern von einem geplanten Straßenbau hervorgerufen.

 

Wirtschaftliche Interessen stehen hier wieder einmal über dem Existenz-recht von 2.000.000 Lebewesen.

 

Die geplante Serengeti-Road teilt das Serengeti-Mara-Ökosystem im Norden in zwei Teile. Um den Status der Serengeti als Weltnaturerbe nicht zu gefährden, soll sie wie ein Korridor aus dem Nationalpark ausgegliedert werden.

 

Gerade deshalb wird die Serengeti-Road eine unüberwindbare Barriere für die große Huftiermigration und schneidet rund 1.500.000 Tiere während der Trockenzeit von ihren Nahrungsressourcen in der Massai-Mara ab.

Wissenschaftler gehen beim Ausfall der Massai-Mara als Futterreservoir während der Trockenzeit von einem drastischen Populationseinbruch im Serengeti-Raum aus. Man rechnet damit, dass dann mehr als 80% der Huftiere, vor allem der zum Erhalt des natürlichen Gleichgewichts so wichtigen Gnus, unmittelbar durch Hunger eingehen.

 

Das Ökosystem wird kollabieren.

 

Möglicherweise könnte eine der Hauptattraktionen der Serengeti, die Massen der dort lebenden Raubtiere, sogar jedwede zukünftige Wiedererholung verhindern. Normalerweise wird die Population der großen Raubtiere in der Serengeti von der zur Verfügung stehenden Beute, also erstrangig von den Gnus bestimmt. Im Fall eines so massiven Rückgangs der Gnupopulation erwartet man eine Umkehr der Populationsdynamik. Das heißt, die massenhaft vorhandenen Raubtiere mit ihrem Nahrungsbedarf von weit über 100.000 großen Beutetieren werden vermutlich vor dem eigenen Hungertod die verbliebenen Huftierbestände so weit dezimieren, dass sie sich nie mehr erholen können.

 

Durch das Engagement Bernhard Grzimeks stand die Serengeti jahrzehnte-lang unter dem absoluten Schutz der Tansanischen Regierung und vieler internationaler Naturschutzorganisationen, vor allem dem der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft. Die ZGF half dabei in den letzten 50 Jahren nicht nur durch große Summen von Spendengeldern, sondern unterhält in der Serengeti eine eigene Abteilung von Wissenschaftlern, die vor Ort gemeinsam mit den Tansanischen Behörden die Schutzmaßnahmen koordinieren. Dies sorgte bisher dafür, dass auch der Tourismus auf einem ökologisch vertretbaren Niveau gehalten wurde und die Serengeti den nachfolgenden Generationen erhalten werden konnte.

Nur leider gerät Tansania jetzt in das Visier von Finanzinvestoren, die den sanften Tourismus für ein Wachkoma in Bezug auf mögliche, zukünftige Profite halten.

Es setzen sich dort die gleichen Kapitalinteressen durch, denen allein in den letzten dreißig Jahren über 50% der noch intakten Naturräume unseres Planeten zum Opfer gefallen sind. Den tropischen Regenwäldern Ostasiens oder dem gerade von der Ölpest verwüsteten Golf von Mexiko soll nun auch die Serengeti als Opfer des schnellen Dollars folgen.

 
Um die Serengeti zukünftig touristisch besser ausschlachten zu können, wurde der für Tansania wirtschaftlich dringend notwendige Ausbau der bestehenden Fernverbindung zwischen dem Viktoriasee und dem indischen Ozean, der die Serengeti im Süden umgeht, einem Plan geopfert, der im Norden eine neue Schnellstraße quer durch das Serengeti-Mara-Ökosystem führen wird.

 

Ein Ausbau der bestehenden Südumgehung wäre ökologisch unschädlich und auch viel kostengünstiger zu realisieren.

 

Der gleichzeitig am Rande der Serengeti geplante, internationale Flughafen wird ein übriges zur Vernichtung dieses Naturparadieses beitragen. Ganz nebenbei wird er wohl einen Teil der auf Fahrzeugen basierenden Tourismus-wirtschaft in Arusha in den Ruin treiben und zu erheblichen Verlusten im Tansanischen Staatshaushalts führen.

 

Nach dem Kollaps des Ökosystems verbleibt eine, in kleine eingezäunte Privatressorts filetierte Serengeti, in denen man ähnlich wie im südlichen Afrika, gutbetuchten Touristen das Geld so richtig aus der Tasche ziehen kann. Die restlichen 20.000 Quadratkilometer sind dann für den in Afrika überall vordringenden Anbau pflanzlicher Monokulturen zur Biodieselgewinnung nutzbar, um die Serengeti endgültig zu verwüsten.

 

Nur ein weltweiter Protest kann den Verlust des letzten intakten Ökosystems der Erde mit einer großen Huftiermigration noch retten. Wir können nicht immer weiter zusehen, wie Millionen Jahre der Evolution dem schnellen Dollar geopfert werden. Dort wo der Dollar wieder weiterzieht, verbleibt fast immer ein ausgebeutetes, verwüstetes Land.

 

Mit der Serengeti wird nicht nur ein tierisches Naturparadies zerstört, nein, viel mehr.

Denn sie ist ein Stück unserer menschlichen Identität. Die Olduvai Schlucht, auch bekannt als „Wiege der Menschheit", liegt im südlichen Serengeti-Ökosystem.

Wegen den bereits zu Urzeiten nur temporär in diesem Gebiet zur Verfügung stehenden Nahrungsquellen mussten die dort lebenden Primaten das Laufen lernen, um ihrer Nahrung, vor allem dem Wild, folgen zu können.

Diese Primaten waren unsere menschlichen Vorfahren.

Die großen Savannen der Serengeti sind seit Urzeiten die Felder des Lebens, nicht nur für die Tiere, sondern auch für uns Menschen. Es ist möglicherweise das tief in unserem Unterbewusstsein verankerte und aus unserer Mythologie bekannte Paradies, der Garten Eden unserer Urahnen.

All content © Uwe Skrzypczak - www.serengeti-wildlife.com

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