Serengeti Frühjahrs-Tour 2026

Vorabinfo in eigener Sache 

Einige von euch haben angefragt, ob ich keine Maasai Mara Touren mehr mache, weil ich im letzten halben Jahr nichts darüber auf meinem Blog gepostet habe. Doch, mache ich!

Nur im letzten Sommer bin ich kurz nach meiner Rückkehr aus der Mara zuhause beim Baumbeschnitt von der Leiter gerasselt und habe mir dabei mein rechtes Bein ziemlich zertrümmert. Die Herbst- und Frühjahrstour in die Maasai Mara haben dann Elza und Christian betreut. Ich konnte nach Monaten im Krankenbett und Rollstuhl erst um Weihnachten wieder das Gehen mit Krücken und Rollator soweit trainieren, dass ich damit Ende Januar an dieser Serengeti Tour teilnehmen konnte. Bis zu meiner vollen Genesung wird es noch einige Monate dauern, aber zu den Sommertouren in die Maasai Mara werde ich wieder voll fit und dabei sein.

Ndutu zur Kälbergeburtenzeit der Gnus

Im jährlichen Zyklus der „Großen Migration“ genannten Wanderung der Gnus ist trotz der klimatischen Veränderungen im Serengeti-Ökosystem der Zeitraum ihrer Kälbergeburten von Ende Januar bis Ende Februar relativ konstant geblieben und somit für Fotosafaris sehr gut planbar. Die Masse der Gnus und auch der Zebras ziehen dann ins Ndutu Gebiet im südlichen Serengeti-Ökosystem. Eine von Seen und Marschen geprägte Landschaft, die sich durch die Ngorongoro Conservation Area von der als „Wiege der Menschheit“ bekannten Olduvai Schlucht bis weit nach Westen an die Grenze des Serengeti-Nationalparks zieht. Die Seen, Lake Ndutu und Lake Masek, sind durch weitverzweigte Marschen verbunden und von einem Waldgebiet umgeben. Die Galeriewälder an den Ufern gelten als die schönsten Schirmakazienwälder ganz Afrikas und bilden – besonders wenn die Gnu- und Zebraherden dort durchziehen – eine traumhafte, natürliche Kulisse. Durchquert man die schmalen Waldstreifen, dann öffnen sich nach Süden, Westen und Norden bis weit in den Serengeti-Nationalpark hinein die sich über tausende Quadratkilometer ausdehnenden fast Baumlosen Grassavannen. Dieses Gebiet ist die Wiege der Gnus, hier werden jedes Frühjahr über einen Zeitraum von etwa vier Wochen Hunderttausende von ihnen geboren. Hier in Ndutu starten die Gnus nach der Geburt ihrer Kälber zur jährlichen Rundwanderung durch das gesamte Serengeti-Mara Ökosystem, was sie im Sommer dann auch durch die Maasai Mara in Kenia führt. Ein so riesiges Frischfleischangebot lockt natürlich auch Löwen, Leoparden, Hyänen und Geparde an, doch sie bleiben hier eher „Beifang“. Deshalb haben ich in diesem Bericht auch nur einige besondere oder seltene Raubkatzenfotos beigefügt und keine Verhaltens-Standards, wie man sie tagtäglich auf meinen Touren in der Maasai Mara in Kenia fotografieren kann. Hauptattraktion im Frühjahr in Ndutu sind die riesigen Gnuherden und Zebras, die auf der Suche nach Wasser und frischem Gras kreuz und quer durch den südlichen Teil des Serengeti-Ökosystems ziehen. Folgt man den Herden durch die Wälder, Marschen und Savannen trifft man unterwegs fast immer auf Löwen, Hyänen und Geparde, in den Waldgebieten auch häufig auf Leoparden. In den Grassavannen kann man mit etwas Glück auch Serval, Karakal und die eher nachtaktiven Honigdachse finden.

Ndutu und alle südlich und östlich daran angrenzenden Teile des Ökosystems liegen in einem dem Serengeti Nationalpark vorgelagerten eigenen Naturschutzgebiet, der Ngorongoro Conservation Area (NCA). In den Waldstreifen um die Seen und Marschen ist der überwiegende Teil der Camps und Lodge für die gesamte südliche Serengeti angesiedelt, weil auf den offenen Grassavannen weder in der NCA noch im Serengeti Nationalpark Camps errichtet werden dürfen. Ndutu liegt dabei so zentral, dass neben dem riesigen, umliegenden Naturreservat auch die interessantesten Gebiete im südlichen Serengeti Nationalpark auf Halbtagestouren erreicht werden können. Die Gol- und Barafu-Kopjes im Nordosten wie auch die Kusini Sümpfe und Kopjes oder das Moru Gebiet im Westen liegen allesamt in einem Entfernungsradius von 40 – 50 Kilometern. Ganztagstouren können weit darüber hinaus bis in die Zentralserengeti durchgeführt werden.

Alle neueren Camps im Ndutu-Gebiet sind – auch wenn man es ihnen nicht ansieht – mobile Camps, die dort inkl. Auf- und Abbau nur vier Monate im Jahr errichtet und betrieben werden dürfen. Danach müssen die Standorte komplett renaturiert werden und dazu noch alle drei Jahre in einem Bietersystem neu angemietet und lizensiert werden.

Dieser kostentreibende Aufwand für die Camp-Betreiber spiegelt sich natürlich durch ein hohes Preisniveau beim Aufenthalt in Ndutu wider, verhindert aber gleichzeitig die Auswüchse des billigen Massentourismus, wie wir sie von anderen Naturreservaten kennen. Ob der Erlebniswert diesen Preis gerechtfertigt, könnt ihr Anhand der Bildstrecken selbst beurteilen. Für mich war es nach meinem Unfall eine Art Wiedergeburt und eine meiner schönsten Touren überhaupt.

Die Marschen, eine natürliche Fotokulisse

Im Februar ist die kleine Regenzeit in der Serengeti. Nachmittags oder in der Nacht gibt es dann häufig Gewitter oder kurze aber extreme Regenfälle. Das sorgt auf den großen Grassavannen für das zur Milchproduktion der Gnus nach der Geburt ihrer Kälber dringend benötigte frische Gras und lässt auch die sonst vom Staub ergrauten Marschen und Akazienwälder rundherum frisch ergrünen. Überall bilden sich kleine Seen, und sonst trockene kleinere Flussläufe füllen sich mit Wasser, die von den Gnus, Zebras, Giraffen und vielen anderen Tieren als Tränke benutzt werden. All dies zusammen bildet nach den Regenfällen für einen kurzen Zeitraum in den Marschen und an den Seen eine phantastische Fotokulisse mit richtig satten Farben. Bleibt der Regen nur für wenige Tage aus, verdunstet das Wasser zu einer salzigen Alkali-Brühe und auch das Gras auf den Savannen bildet in der Äquatorsonne eine Salzkruste. Gras und Wasser wird ungenießbar für die Tiere und zwingt die großen Gnuherden mit ihren neugeborenen Kälbern den Regenverläufen weiter zu folgen – manchmal in einer Nacht mehr als 30 Kilometer.  

Lake Masek

Der Masek See ist das tiefste Gewässer im Ndutu Gebiet und hat dort auch den höchsten Süßwassergehalt. Hoch genug um nicht nur Flusspferden als Lebensraum zu dienen. Man findet auch reichlich Elefanten, Giraffen und anderes Großwild in den umliegenden Wäldern und Marschen. Das Brackwasser an einigen flachen Uferbereichen scheint aber noch genügend alkalisch zu sein, um einer kleinen Flamingo Population genügend Nahrung zu liefern. Als ganzjährig wasserführend könnte man dem Lake Masek auch eine führende Rolle als Brutstätte von Insekten und Parasiten zubilligen, denn hier sind alle Großkatzen eher Baum- als Bodenlebend. Neben den heimischen Leoparden steigen hier auch die Löwen bis hoch in die Baumkronen.

Die Tiefe des Lake Masek wirkt sich mitunter fatal für die Gnus aus. Seine Ähnlichkeit mit den gewöhnlich nur gut knietief vom Regenwasser überfluteten Marschen, die sie auf dem Weg zu den Grassavannen kreuzen müssen, scheint sie zu desorientieren. Durchqueren die Gnus dann tatsächlich den See, ertrinken ihre neugeborenen Kälber in Massen. Im Jahr 2009 sollen es sogar weit mehr als 20.000 Kälber gewesen sein. Als ich im folgenden Frühjahr 2010 am Lake Masek war und dort mit viel Glück ein paar Wildhunde fotografieren konnte, hatte sich dies bestätigt. Die Ufer rund um den See waren von den angeschwemmten und in der Sonne ausgeblichenen kleinen Knochen der Gnukälber knöcheltief weiß bedeckt.

Eden Valley

Das Eden Valley liegt eine gute halbe Stunde Fahrtzeit westlich vom Lake Ndutu und zieht sich in der offenen Grassavanne Kilometerweit bis tief in den Serengeti-Nationalpark hinein. Das Tal ist eigentlich eine langgestreckte Bodensenke mit relativ flachen Ufern und macht seinem Namen alle Ehre. Grund- und Regenwasser bilden in der Senke Sümpfe und kleinere Seen, sie machen das Tal dann zu einer der größten, natürlichen Tiertränken der südlichen Serengeti. Im Frühjahr, wenn sich die Wasserlöcher und Seen mit Mengen von Zebras und Gnus füllen, dabei von der einen Seite noch zigtausend Tiere aus der Grassavanne im Zuzug sind und zur anderen Seite eine ebenso große Menge schon wieder weiterzieht, will man kaum glauben, dass sich so etwas Erstaunliches in der Natur erhalten hat. Das Eden Valley ist auch Territorium eines großen Löwenrudels. Die Großkatzen sind aber nicht immer leicht zu finden, denn oft lauern sie für Mensch und Tier kaum zu erkennen tief im Uferschilf verborgen auf Beute. Trotz der Nähe der Löwen konnten wir dort auch zwei junge Geparde beim spielerischen Riss eines Hasen beobachten und ein fetter Python lag – für einen kurzen Augenblick fixiert von einer Löwin – in Ufernähe einer der Seen. Hyänen findet man dort wie überall in der Serengeti auch reichlich. Das Eden Valley lässt sich auch sehr gut mit einer Tour durch die Serengeti verbinden. Zunächst nach Südwesten zum Kusini-Airstrip, um die zusätzlich benötigten Eintrittskarten für den Serengeti Nationalpark zu kaufen und dann weiter zu den für ihre Löwen und Leoparden bekannten Kusini-Kopjes und Sümpfe. Durch die landschaftlich sehr schönen Kusini-Sümpfe mit vielen kleinen Flussläufen geht es dann weiter in das für seine Nashörner bekannte Moru Gebiet – oder direkt zurück ins Camp wie es uns passiert ist, weil wir nach starken Regenfällen in den Sümpfen nicht mehr weiterkamen. Trotz angeborener Abenteuerlust wollten wir die Erfahrung unseres Fahrers Michael, dass man hier spätestens nach zwei Tagen vom Hubschrauber der Serengeti Parkverwaltung gefunden wird, nicht unbedingt teilen.

Die Grassavannen

Die Grassavannen ziehen sich über tausende Quadratkilometer durch die südliche Serengeti und sind in der Maasai Sprache als „Siringit – das weite Land“ ihr Namensgeber. Geprägt durch alte Kinoflme und Dokumentation von Grzimek und anderen verkörpert dieser Teil des Ökosystems für die meisten von uns die Afrikanische Savanne schlechthin. Eigentlich ist es ein sehr ödes, trockenes, heißes und staubiges Land. Schattenspendende Bäume findet man nur an den Rändern oder den wie Inseln aus dem Gras-Meer schauenden Kopjes – Felsknollen die wohl einmal die Spitzen von Bergen und Hügeln waren, bevor Vulkanauswurf das ganze Land verschüttet und eingeebnet hat. Nur während der Regenzeiten ergrünt die Savanne zu einer der größten Weideflächen der Welt. Im Februar zur kleinen Regenzeit dürften hier, wenn man die Gnus, andere Antilopen, Gazellen und Zebras zusammenrechnet, mehr als zwei Millionen Tiere dem Verlauf der Regenfälle folgen.

Auf ihren Wanderungen durch die Serengeti ziehen die Gnus und Zebras in Kilometer langen Linien hintereinander wie an einer Perlenschnur aufgereiht. In geballter Masse findet man sie nur an Wasserlöchern wie beispielsweise im Eden Valley oder vor natürlichen Barrieren wie Flüssen. Stauen sie sich dort, hat man eine gute Change dieses Ameisenähnliche Gewusel der großen Tierherden auch imposant zu fotografieren. Verteilen sie sich wieder zum Grasen, stehen die Herden über zig Quadratkilometer wie gesprenkelt in der Savanne. Es ist zwar ein unglaubliches Erlebnis, wenn man mit dem Geländewagen über zehn Kilometer und mehr nur durch grasende Zebra- oder Gnuherden fährt, aber fotografisch gibt das selbst bei Luftaufnahmen wenig her.

Die großen Grassavannen haben auch ihre Tücken. Abseits der touristisch frequentierten Routen und Tracks sollte man sie möglichst nur im Konvoi mit mehreren Fahrzeugen befahren, sonst ist man dort völlig auf sich allein gestellt. Abgelegenere Gebiete haben überhaupt keine Tracks und können nur Offroad erreicht werden. Diese Fahrt wird dann sehr ruckelig, im Gras verborgenen Tierbauten oder Hügeln können zu starken Schlägen führen und die Fahrzeuge beschädigen. Zieht ein schweres Gewitter auf, wird die Savanne binnen Minuten zum Schlammsee und die Tour muss sofort abgebrochen werden. Bei Fahrzeugschäden, die sich nicht selbst notdürftig beheben lassen, kann es einen halben Tag

und länger dauern, bis ein Mechaniker eintrifft. Verletzt man sich schwer, wird auch der Rettungshubschrauber vom Flying Doctor Service kaum vor zwei Stunden eintreffen.

Die Kopjes

Eine der schönsten Gegenden in den südöstlichen Grassavannen der Serengeti sind die Gol- und Barufu-Kopjes. Eigentlich sind sie von Ndutu in gut einer Stunde Fahrtzeit und somit noch im besten Morgenlicht erreichbar, allerdings muss man dazu am Main Gate des Serengeti Nationalparks an den Naabi Hills die Tickets und Fahrzeuge registrieren lassen. Leider kommt es hier häufig zu völlig unnötigen Wartezeiten durch verspätete Öffnung des Gates. Hier arbeiten wir an einer Lösung um es zukünftig direkt nach der Parköffnung um 6:00 Uhr morgens passieren zu können. Hinter dem Gate durchfährt man das von den ortskundigen Fahrern sogenannte Niemandsland. Es gehört zu keinem Löwen- oder anderweitigem Raubtier-Territorium, weil es hier übers Jahr viel zu wenig Wild zu deren Ernährung gibt. Hier trifft allenfalls durchziehende, nomadisierende Löwen oder ältere vom Rudel ausgestoßene Tiere, die hier ein karges Rentnerdasein führen. Dafür gibt es dann im Gebiet der Kopjes eine sehr große Löwenpopulation – einer der Mitreisenden hat mehr als 60 gezählt. Die Löwen sitzen oder liegen häufig auf den Felsen und halten Ausschau nach einer Zufallsbeute – ein krankes oder Einzeltier oder auch eine Gruppe Zebras oder Antilopen, die in Schlagdistanz zwischen den Felsen hindurch zieht. Auf einen Frontalangriff der Löwen auf eine Gnuherde braucht man hier nicht zu warten. Die offene Savanne gibt den großen Katzen tagsüber für eine erfolgreiche Jagd viel zu wenig Deckung. Mit ihrem überlegenen Sehvermögen bei Nacht können sie sich in der Dunkelheit viel näher an die Beute heranschleichen und sie erlegen. Wer jagende Raubkatzen – speziell Löwen – tagsüber bei der Jagd auf große Beutetiere fotografieren möchte, sollte ein Tierreservat mit abwechslungsreicherer Vegetation, die den Katzen Deckung gibt, wählen. Ich habe meine besten Fotos von jagenden Löwen im Western Korridor des Serengeti Nationalparks und in der Maasai Mara in Kenia vor die Kamera bekommen. Gute Chancen jagende Raubkatzen in der offenen Savanne zu beobachten hat bei den Geparden. Sie jagen tagsüber und die Gegend um die Gol- und Barafu-Kopjes ist bekannt für seine gute Geparden-Population. Sind keine Gazellen in der Nähe dieser schnellen Katzen, kann man häufig irgendeine Zufallsjagd auf Hasen oder andere Kleintiere beobachten. Wir hatten an einem Wasserloch im Gol Gebiet sogar einen seltenen Karakal, der dort offensichtlich Nilgänsen auflauerte.

Licht

Gutes Licht und Farben sind ja bekanntermaßen das wichtigste für die Fotografie und richtig gutes Licht und Farben gibt es in Ostafrika fast nur während der kleinen Regenzeiten. Ob man persönlich diese Ballerfarben mit extremen Farbkontrasten vor aufziehenden Gewitterwänden oder die durch die Nässe wie nach einer frischen Hochglanzlackierung leuchtenden Farben im Morgenlicht mag oder nicht – es sind die am häufigsten verwendeten Fotomotive für Kalender, Postkarten und vieles mehr. Wie bereits früher der Dia- oder Negativfilm mit seinem fest vorgegeben Weißlichtabgleich von 5500 Kelvin erzeugen auch die Digitalkameras im direkten Gegenlicht zum Sonnenaufgang und noch einige Zeit später Farben, die wir so mit unseren Augen nicht wahrgenommen haben. Das liegt einfach daran, dass das menschliche Auge ein zigfaches mehr an Farbkontrasten differenzieren kann als die beste und tollste Digitalkamera. Wir können diese Farben natürlich durch manuelle Fummelei am Weißabgleich der Kamera oder durch Über- und Unterbelichtung der geglaubten, gesehenen Realität anpassen oder: wir freuen uns einfach über diese tollen bunten Bilder. In Ndutu, insbesondere in den vom Regen überfluteten Marschen, können im Morgen- und Abendlicht neben der bereits beschriebenen Naturkulisse auch noch die

Wasserflächen als Spiegel für Fotomotive genutzt werden.

Außergewöhnliche Erlebnisse

Honigdachse sind, zumindest in Ostafrika, meist nachtaktiv und tagsüber sehr selten zu sehen. Im Jahr 2010 hatte ich in Ndutu das erste und seither letzte Mal einen Männlichen bei Tageslicht vor der Kamera. Sie sehen sehr drollig aus, sind aber sehr wehrhaft und aggressiv. Auf ihrem Speiseplan stehen Kleintiere und Schlangen, auch giftige, denn ihre dicke, weich hängende Haut kann von Schlangenbissen kaum durchdrungen werden. Das grauweise Deckfell der Honigdachse könnte auch Vorbild für das Mimikri bei Gepardenbabys sein. Auch sie haben vorübergehend ein solches Deckfell, vermutlich um Raubvögel abzuschrecken.

Unser Honigdachs war ein Weibchen und wuselte einige Minuten ständig zwischen den Gras- und Kräuterbüscheln den Boden beschnuppernd hin und her. Man hätte fast annehmen können, sie hätte etwas verloren.

In der Maasai Mara in Kenia bekomme ich bei außergewöhnlichen Ereignissen oder besonderen Sichtungen – speziell wenn wir dort neugeborene Geparde oder Leoparden haben – Informationen und auch Zutritt von den Rangern in abgesperrte Gebiete. Aber so gut im Gebüsch sichtbare, kaum 14 Tage alte Gepardenbabys wie in der Serengeti habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Der erste Versuch sie zu sehen scheiterte an einer überfluteten Lugga. Eins unser Auto steckte in der Uferböschung fest, dann zwei weitere bei den Bergungsversuchen und Dunkelheit setze ein, bevor wir die Autos wieder aus dem Schlamm heraushatten und es wurde 21:00 Uhr bis wir uns zurück ins Camp gekämpft hatten. Am nächsten Tag sind wir wieder dorthin und konnten die Gepardin mit den Babys im alten Versteck zunächst nicht finden. Wir sind dann weiter zu Löwen, einem Leoparden und einem Serval ganz in der Nähe gefahren, während eins unserer Fahrzeuge mit zwei Gästen zu den Geparden zurückgekehrt ist und die Gepardin dann sogar mit Baby im Maul beim Transport  der Kleinen in ein anderes Gebüsch fotografieren konnten. Nur leider war diese Gepardin noch sehr jung und unerfahren und hat kein wirklich sicheres Versteck für ihren Nachwuchs gewählt. Die folgende Fotostrecke ist am gleichen Abend aufgenommen, am nächsten Morgen fanden wir nur noch ein Stück Darm eines Jungtiers. Ich vermute, dass ein nicht weit von ihr auf einem Baum herumhängender Leopard die Gepardenbabys in der Nacht gerissen und verschleppt hat.

 Der Serval, den wir nur ein paar Minuten entfernt von der Gepardin entdeckt haben, saß hoch oben in einer dicken Astgabel auf einem Baum. Ich wollte das erst nicht glauben und dachte es wäre eine Ginster-Katze, doch dann war die typische Fellfleckung eines Servals im Teleobjektiv klar zu erkennen. Wahrscheinlich war diese mir als nur als am Boden lebend bekannte Katze auf der Flucht vor Hyänen, Löwen oder einem Gepard in zwei, drei Sätzen hoch auf den Baum gesprungen. Servale können ja locker vier bis fünf Meter hoch springen um Vögel in der Luft zu erbeuten. Dieser junge Serval saß aber sechs bis sieben Meter hoch und ich konnte mir nicht vorstellen, wie er dort alleine wieder herunterkommen soll. Andrea, eine Mitreisende hat zwischenzeitlich gegoogelt, dass die langbeinigen Servale sehr wohl in der Lage sind auf Bäume zu klettern. Am Nachmittag habe ich dann Leopard- und Gepard-Kurzprogramm gemacht um zu diesem Baum zurückzukehren. Den Abstieg wollte ich bekommen. Wir waren ein paar Minuten vor unseren anderen Fahrzeugen vor Ort und bevor die Anderen eintrafen kletterte die Katze nicht vorwärts wie ein Leopard, sondern rückwärts und ähnlich wie ein Affe den Baum herunter, erst die letzten vielleicht zwei Meter sprang sie dann ab.

Fünfzehn Jahre hat es gedauert, bis ich eine der scheuesten Raubkatzen Ostafrikas, den Karakal, wieder vor meine Kamera bekommen habe. Er gilt zwar als weit verbreitet, verbirgt sich aber so tief in Gebüschen oder Gestrüpp, dass er für das menschliche Auge kaum zu entdecken ist. Wir waren eigentlich unterwegs zu zwei Geparden, die wir durchs Fernglas gesehen hatten, als uns an einem Wasserloch in der Nähe der Gol-Kopjes der Fahrer eines anderen Camps auf einen Karakal aufmerksam machte, der wohl nach einem kurzen Ausflug in die offene Savanne schon wieder tief im Gras verborgen war – so tief und flach, dass wir zunächst dachten, es wäre ein kleines Jungtier. Der Karakal hatte es wahrscheinlich auf eine der Nilgänse am Ufer des Wasserlochs abgesehen. Wenn schon endlich Karakal, dann aber das volle Brett – diesen möglichen Kill wollten wir unbedingt fotografieren. Also warteten wir, bis alle anderen Autos weggefahren waren. Der Karakal verlor nach einiger Zeit tatsächlich seine Scheu vor unserem Auto und kam langsam aus seinem Versteck. Er entpuppte sich als ausgewachsenes Männchen. Jetzt musste er nur noch jagen! Aber dummerweise hat uns dann ein halbblinder Touristenkutscher mit seiner Blechkarre gesehen, kam angerast und hat die Nilgänse vertrieben. Er suchte für seine Gäste nach Löwen, so ein kleiner „Simba Masikio – Löwe mit zwei Ohren“ hat seine Gäste im Fahrzeug nicht die Bohne interessiert. Wir konnten diese tolle Katze dann wenigstens noch von allen Seiten fotografieren, bevor sie im nächsten Busch verschwand. Der Karakal ist eine der vielseitigsten Katzen überhaupt. Schneller als Löwe, Leopard und Hyäne kann er auf der Flucht vor ihnen notfalls sehr flink bis ins dünne Geäst von Baumkronen klettern, springt ähnlich hoch wie ein Serval um Vögel zu erbeuten, frisst alles von der Maus bis zu kleinen Gazellen, tötet und vertilgt selbst Fressfeinde wie Schakale und er kann sogar Tiere reißen, die deutlich größer sind als er selbst – bis hin zu Schafen und Ziegen, weshalb er im südlichen Afrika von den Farmern bejagt wird.

Diese große, schwarze Manguste habe ich zuvor erst zweimal in der Maasai Mara sehr flüchtig gesehen. Jonathan, mein Fahrer dort nannte sie „long tail mongoose“, laut Wikipedia scheint es eine „Buschschwanz-Manguste“ zu sein. Außer dass sie deutlich größer als Zebramangusten sind und auch ein Fleischfresser weiß man wohl sehr wenig über ihr Verhalten. In der Mara sieht man sie gelegentlich im Dunkeln auf den Tracks im Scheinwerferlicht des Fahrzeugs, was eine Nachtaktivität vermuten lässt.

Ein großer Python mitten auf einem Track an der Marsch und überhaupt nicht scheu. Ich schätze, er wird dreieinhalb bis vier Meter lang gewesen sein. Mich hatte nur gewundert, dass dieses Monster weder versucht hat zu fliehen noch seine Beute herausgewürgt hat um dann noch schneller fliehen zu können. Manche Menschen mögen ja Schlangen – ich nicht! Nicht einmal als Portemonnaie oder Stiefel. Selbst bei der Bildauswahl und Bearbeitung hat sich mein Magen umgedreht.

Nachtleben

Wir hatten diesmal eine kleine, online fähige Trapkamera mit, um das Nachtleben im Camp zu dokumentieren. Auch wenn man die Qualität nicht mit den normalen Fotokameras vergleichen kann, weiß man zumindest einmal was sich in so einem nicht eingezäunten Buschcamp nachts alles tummelt. Speziell der Müllverbrennungsplatz hat sich in dieser Hinsicht als sehr ergiebig gezeigt. Tüpfelhyänen, seltene Streifenhyänen, Honigdachse, Stachelschweine und insbesondere die Elefanten haben mir gezeigt, dass man sich nachts in der afrikanischen Savanne – zum Beispiel nach einer Fahrzeugpanne – besser nicht der Illusion hingibt, ein großes Lagerfeuer allein würde wirklich Schutz vor gefährlichen Tieren gewährleisten.

Als zweite Neuerung hatten wir ein Wärmebildgerät aus dem Jagdzubehör dabei. Es unterscheidet sich von den bisherigen Nachtsichtgeräten mit Restlichtverstärker, weil es überhaupt kein Licht benötigt, sondern nur auf Wärmeabstrahlung reagiert. Es funktioniert bei Dunkelheit auf große Entfernungen um Wild aufzuspüren aber auch bei Tageslicht um beispielsweise Leoparden und Servale im Gestrüpp zu finden. Wegen meiner Unbeweglichkeit konnte ich das Gerät auf dieser Serengeti-Tour nur suboptimal mit kleinem Blickwinkel einsetzen, verspreche mir aber sehr viel vom zukünftigen Einsatz bei den nächsten Foto-Workshops in der Maasai Mara, um dort einige seltenere Arten aufzuspüren, die wir bislang nicht oder fotografisch unbrauchbar vor die Kamera bekommen haben.

Zukünftige Touren

Die Fotosafari ins Ndutu Gebiet werde ich zukünftig jedes Jahr von Ende Januar bis Ende Februar für jeweils 14 Tage durchführen. Sie starten immer am Samstagmorgen in Arusha und enden dort 14 Tage später am Samstagnachmittag. Für die Transfers vom Kilimanjaro Airport ist gesorgt und eine sehr schöne Lodge für Zwischenübernachtungen in Arusha ist unter Vertrag.

Die Starttermine für 2027 sind Samstag, der 23. Januar und Samstag der 06. Februar. Die Preise und Buchungsstände findet ihr unter Fotosafari Tansania auf dieser Website. Detailliertere Reiseinformation folgen im Laufe des April.

Aus logistischen Gründen sind kürzere Fotosafaris mit meiner Begleitung in der Serengeti aktuell nicht möglich. Wir fahren in Gruppen zu 6 Personen mit drei Fotografen Fahrzeugen. Wie in der Maasai Mara werden die Fahrzeuge auch in der Serengeti standardmäßig mit nur zwei Gästen im Fond besetzt. Ausnahmen bei der Fahrzeugbesetzung und der Gruppengrößen sind bei Familien und untereinander befreundeten Gästen möglich.

Für Fotografen die nicht an meinen Gruppenreisen teilnehmen möchten können individuelle Fototouren in der gesamten Serengeti bei freier Terminwahl arrangiert werden.

 

Zukünftig werde ich auch Fotosafaris in andere Gebiete der Serengeti und auch in vom Tourismus weniger frequentierte Naturreservate in Tansania wie Ruaha und Selous mit ihren großen Wildhund-Populationen anbieten. Die Planung dafür hat nur das letzte halbe Jahr wegen meines Unfalls gestockt, aber spätestens im nächsten Jahr werde ich die beiden Parks checken.

 

Copyright für alle Fotos in diesem Artikel: Uwe Skrzypczak und Elza Friedländer

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Lars (Donnerstag, 23 April 2026 10:27)

    Hallo Ihr zwei,
    großartige Stories und absolut hervorragende Bilder! Sogar von Vögeln! (Zwinker) Liebe Grüße!

Kontakt

Email:      [email protected]

 

Internet: www.serengeti-wildlife.com

Serengeti Wildlife

Int. Wildlifefotograf  und Buchautor

Publikationen international und national

Fotosafari & Fotoworkshop in Kenia 

Für Fotoamateure, Semiprofis u. Naturliebhaber

Bleib immer aktuell dabei


Member of the IEPA - International Environment Photographer Association Niigata, Japan. 

The International Environment Photographers Association hopes to appeal to the world about the importance of the natural environment and the state of vanishing nature through the following activities under the philosophy that "beautiful, natural landscape is deeply connected to the spiritual wealth of human beings." I hope you agree with the intent of the activities of the association.

Meinung meiner Workshop Gäste - Kundenbewertung  *****

Rene aus der Schweiz

März  2019:

Mein letzter Foto-Workshop im Juli 2018 war ein super Erlebnis. Es war klar, dass ich das irgendwann einmal wiederholen werden. Und warum ich es dann gleich wieder im Februar  2019 tun musste .... erfahrt Ihr hier

Dagmar Missenharter

31. Oktober 2018:

Sehr geehrter Herr und Frau Skrzypczak, heute fand ich auf meinem iPad Ihre Usbekistanbilder mit Kommentaren.  

Ich mußte einfach zu Ihren Bildern ein paar Worte schreiben, denn diese Reise hat ihren Zauber immer noch nicht verloren .... mehr lesen .

Renate M.

März 2017:

Lieber Uwe, auch wenn man mehr Raubkatzen-Liebhaber als Fotograf ist („nur“ 600 Fotos), übertrifft deine Tour alle Vorstell-ungen. Dank dir und deinem Masai-Team, die nicht nur super Fahrer sondern exzellente Spotter sind ... mehr lesen.

Dietmar Stürken

November 2016:

Hallo Uwe, seit unserer Tour ist schon etwas Zeit verstrichen aber wenn ich meine Bilder ansehe kommt die Begeisterung zurück. Die Masai Mara  war der Hammer! 30 Minuten nach Ankunft hatten wir die ersten Bilder von einem Leoparden ... mehr lesen.

April 2016:  

Last March I was on my third safari in Masai Mara with Uwe. Uwe offers the perfect combination of serious wildlife photography – only two photographers per car, from sunrise to sundowner (Tusker), no birdwatching – and a lot of fun ...  mehr lesen.

Ulrich Büker

Dezember 2015:

Im November 2015 eine fantastische Tour, ereignisreich und intensiv. Uwe und die Fahrer haben uns immer wieder toll an die Tiere herangebracht, so das viele inter-essante Aufnahmen entstanden ist. Fotografische Highlight`s pur ... mehr lesen.


Safari, Kenia, Afrika, Wildlife Fotografie, Uwe Skrzypczak, Reisen, Abenteuer, Fotografie